Wie hat sich die Ausbildung für Bankkaufleute in den letzten dreieinhalb Jahrzehnten verändert? Darüber berichten Heike Geisdorf, die 1980 zum ersten Ausbildungsjahrgang der TARGOBANK gehörte, und Jan Konopka, der gerade seine Ausbildung zum Bankkaufmann absolviert.

Heike Geisdorf gehörte am 1. August 1980 zu den ersten Auszubildenden, die bei der KKB, dem Vorgänger-Institut der TARGOBANK, starteten. Ihre Ausbildung zur Bankkauffrau dauerte zweieinhalb Jahre. Nach einigen Jahren in der Filiale gehört Heike Geisdorf heute dem Nachlass-Team der TDG in Duisburg an und nimmt ihre Aufgaben zum Teil vom Home-Office aus wahr.

Jan Konopka begann seine Ausbildung zum Bankkaufmann am 1. August 2014. Auch er wird die Abschlussprüfung zweieinhalb Jahre nach Ausbildungsbeginn ablegen. Jan Konopka ist in der TARGOBANK Filiale Ratingen beschäftigt.

Heike Geisdorf

Jan Konopka

 

Frau Geisdorf, können Sie sich noch erinnern, wie die ersten Tage ihrer Bank-Ausbildung verliefen?

Heike Geisdorf: Wir waren ja die ersten Auszubildenden überhaupt bei der KKB und haben die Anfangszeit als wahres Luxusleben empfunden. Wir sechs Azubis im Raum Duisburg sind zu allererst mit einem VW-Bus in jede der sechs Ausbildungsfilialen chauffiert worden. Da wurden wir vorgestellt, und wir haben uns alles anschauen dürfen. Wir bekamen einen Blumenstrauß und noch ein nettes Essen hinterher – das war unser erster Tag. Den Luxus hatten Sie nicht, Herr Konopka?

Jan Konopka: Na ja, herumgefahren wurden wir nicht. Am ersten Tag trafen wir uns vormittags in der Filiale und haben die Mittagspause gleich mit den Kollegen von der Filiale verbracht. Das anschließende Drei-Tage-Seminar im Schulungszentrum in Radevormwald war nicht nur gut, um die TARGOBANK und die Unternehmenswerte kennenzulernen, sondern auch um Kontakte unter den Azubis zu knüpfen.

Gab es am Anfang etwas, das Sie sehr überrascht hat?

HG: Eigentlich nicht. Den Bankberuf hat man ja vorher schon öfter gesehen. Man kann ja auch als Kind schon mal in der Bank mit den Eltern Geld abheben. Apropos Eltern: Als Realschulabsolventen haben wir ja alle mit 16 angefangen. Deshalb sind sogar unsere Eltern eingeladen worden, die durften sich einen Tag das Schulungszentrum in Radevormwald anschauen. Dafür wurde für alle zusammen extra ein Bus organisiert. Da wussten die Eltern dann, wo ihre Kinder ihre Zeit verbringen – so eine Nettigkeit vom Arbeitgeber, die hat mich schon sehr positiv überrascht.

JK: Ein guter Freund von mir hat schon zwei Jahre vorher eine Ausbildung bei der TARGOBANK angefangen, von daher war ich schon ganz gut im Bilde, was mich erwartet – und was von mir erwartet wurde. So hat es gleich von Anfang an gut gepasst.

HG: Das war bei uns ähnlich, aber wahrscheinlich waren wir damals noch stärker behütet. Wir hatten einen Ausbildungspaten, der uns an die Hand genommen und sich wirklich gekümmert hat. Der hat nicht nur die Berufsschulhefte abgehakt, den konnte man immer zu allem ansprechen.

JK: Das ist durchaus heute noch so, ich habe auch einen festen Ausbilder. Grundsätzlich gibt es einmal in der Woche ein Unterweisungsgespräch mit dem Ausbilder oder der Filialleitung. Man ist immer ganz nah dabei und wird schnell auf die eigenen Beine gestellt.

Und wann durften Sie zum ersten Mal einen Kunden beraten?

HG: Es hat gar nicht lange gedauert, bis wir von den ersten Kunden Überweisungen entgegengenommen oder im Sparbuch etwas nachgetragen haben. Als 16-Jährige ist man da natürlich am Anfang auch mal etwas nervös.

JK: Die allererste Kundin, der ich geholfen habe, war eine ältere Dame, die am Selbstbedienungsterminal eine Überweisung machen wollte, damit aber Schwierigkeiten hatte. Als Azubi hat man am Anfang auch selbst erst einmal eine Menge Respekt vor dem komplexen System, mit dem wir hier arbeiten. Man will ja auf keinen Fall etwas falsch buchen. Aber es ist immer jemand in der Nähe, den man fragen kann und der einem dann auch weiterhilft.

HG: Früher war die Filiale auch viel voller. Es gab ja keine Automaten und Kontoauszugsdrucker, umso wichtiger war die Kasse. Am Zahltag standen die Leute Schlange. Die waren natürlich dankbar, dass sie schnell Hilfe hatten, zum Beispiel für so eine Überweisung. Die wurden ja damals noch mit der Hand ausgefüllt. Und alle haben geraucht. Mittags war dann schon mal ein ziemlich blauer Dunst im Raum. Man hat manchmal kaum noch erkannt, wer da zur Tür reinkommt…

Stichwort „Automaten“: Mit welcher technischen Umgebung mussten Sie sich denn in Ihrer Ausbildung jeweils vertraut machen?

HG: Jeder Arbeitsplatz hatte eigentlich schon einen Rechner, damit waren zumindest Kontostandabfragen möglich. Aber es gab praktisch keine Drucker. Die Kreditverträge haben wir alle noch per Hand ausgefüllt. Bei Tests im Schulungszentrum in Radevormwald haben wir unsere Antworten in Lochkarten übertragen. Dadurch bekamen wir die komplett ausgewerteten Ergebnisse schon nach der Mittagspause und nicht erst Tage später. Das war damals total fortschrittlich! In den Filialen gab es auch noch keinen automatischen Kassentresor, das Geld wurde komplett von Hand gezählt. An Zahltagen waren auch mal zwei oder drei Kassen auf.

JK: Von der Technik ist heute alles auf dem neuesten Stand – alles läuft computergestützt von der Kreditberatung über die Anlageberatung bis hin zur einfachen Überweisung. Wir können flexibel Dokumente einscannen, so dass Expertenteams bei Rückfragen sofort darauf zugreifen können. Und wenn es ein technisches Problem gibt, klinken sich die Kollegen der Vertriebs-Helpline direkt auf den Rechner ein, um das zu beheben.

HG: Solche Expertenteams gab es zu meiner Ausbildungszeit noch gar nicht. Die sind erst so um die Jahrtausendwende herum entstanden. Uns Mitarbeitern hat das übrigens auch sehr interessante Karrierechancen eröffnet. Wenn man sich in diese Richtung weiterentwickeln möchte, hat man dazu bei uns jede Möglichkeit. Meinen Sie nicht auch, Herr Konopka?

JK: Um das aus eigener Erfahrung zu bestätigen, bin ich ja noch nicht lange genug hier. Aber ich bekomme das von Kollegen mit, die sich aus dem Filialgeschäft für Aufgaben in spezialisierten Abteilungen weiterqualifiziert haben.

Sie fühlen sich hier aber auch als Azubi ausreichend gefördert und gefordert?

JK: Ja, auf jeden Fall. Was die Ausbildung hier von anderen Instituten unterscheidet, ist die klare Praxisorientierung. Es wird einem hier schon früh viel zugetraut – und wenn man das vernünftig macht, wird es auch immer mehr. Das ist für mich als Auszubildender die beste Wertschätzung, die ich bekommen kann.

HG: Das war auch früher schon so. Wir waren in der Berufsschule ja überwiegend mit Auszubildenden von anderen Instituten zusammen. Wenn wir mit denen gesprochen haben, war uns klar: Die durften lange nicht so viel wie wir.

Gibt es in der Ausbildung auch so etwas, was man als „ungeliebte Pflicht“ bezeichnen könnte?

JK: Im Grunde passt alles sehr gut. Was manchmal etwas lästig ist, ist das wöchentliche Berichtsheft für die IHK – aber da kann ja die Bank nichts dafür…

HG: …und das wird auf ewig auch so bleiben, daran wird sich wahrscheinlich nie etwas ändern. Was es bei uns früher noch gab, war ab und zu die Ablage – die gibt’s ja heute im papierlosen Büro nicht mehr. Aber gerade in der Anfangsphase, wo man noch nicht so viel kann, ist das besser als nur rumzusitzen.

Eine letzte Frage – Wissen Sie noch, was Sie sich vom ersten Ausbildungsgehalt geleistet haben?

HG: Ich habe mir richtig schöne Sachen zum Anziehen gekauft. Ich war 16 und durfte endlich das kaufen, was ich wollte!

JK: Für die Ausbildung bin ich umgezogen, da gab es einiges für die Wohnungseinrichtung zu besorgen. Als allererstes war da wohl die Kaffeemaschine dran…

In „Bankberater – gestern, heute, morgen… Teil 1“ lesen Sie, wie sich der Arbeitsalltag in den Filialen verändert hat, welcher Mentalitätswandel bei den Kunden zu beobachten ist und worauf sich Bank-Azubis heute einzustellen haben. In Teil 2 lesen Sie, wie Bankberater heute um Kunden werben, welchen Einfluss technische Innovationen auf die Beratung haben und wie wichtig Coachings und Weiterbildungsmaßnahmen geworden sind.

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