Meine Vorsätze für das Jahr 2021?

Wie wär’s mit mehr Sport? Dass das funktioniert bezweifle ich sehr, da ich mir die letzten Jahre immer vorgenommen habe mehr Sport zu treiben. Leider gehör ich zu der Sorte, die sich völlig enthusiastisch am 02. Januar im nächstliegenden Fitnessstudio anmeldet und sich noch schnell im Internet eine neue Sport-Leggings bestellt, damit diese auch ja rechtzeitig für mein neues healthy life parat ist – um dann drei Wochen später festzustellen, dass es völlig ausreicht das Fitnessstudio vier Mal von innen gesehen zu haben und die besagte Leggings wesentlich bequemer ist, wenn man (oder besser gesagt ich) sie auf der Couch trägt während Folge 9 der zweiten Staffel Gilmore Girls zum wiederholten Mal beginnt. In der einen Hand Schoki, in der anderen Chips singe ich die Titelmelodie Where You Lead, I Will Follow und warte sehnsüchtig auf die erste Szene, in der Lorelai und Rory höchstwahrscheinlich an einem Freitagabend mit den Großeltern beim Dinner sitzen. Das Thema Sport ist daher –spätestens jetzt, wo das Jahr ein paar Wochen jung ist- schon mal abgehakt.

Eventuell könnte ich meine Ernährung umstellen, wenn Joggen und Co schon keine Möglichkeit für mich ist? Wäre auf jeden Fall eine Überlegung wert, denn besonders im Jahr 2020 war die Lieferando-App mein treuster Freund. Aber wie heißt es so schön? Gute Freunde darf man nicht gehen lassen – also ist das auch keine Option für mich. Da ich glücklicherweise noch nie geraucht habe, muss ich auch nicht aufhören. Und nun? Anscheinend kann ich mit dem Thema Jahresvorsätze nichts anfangen. Oder etwa doch?

 

Mitte Dezember machte ich mich online auf die Suche nach Weihnachtspostkarten.

Da das traditionelle Wichteln mit den Mädels dieses Jahr leider ins Wasser fallen musste, sollten wenigstens alle an Heiligabend eine kleine Aufmerksamkeit von mir im Briefkasten finden. Neben den üblichen Karten, auf denen schneebedeckte Tannenbäume, Weihnachtsmänner im roten Mantel und fliegende Rentiere unter der bekannten Floskel „Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr“ abgebildet waren, fiel mir eine Postkarte direkt ins Auge. Sie war weiß und schlicht.

Keine weihnachtlichen Bildchen, einfach nur ein Satz in rotgeschriebener Schrift: merry everything and a happy always (forever). Mir gefiel die Karte sofort, auch wenn es doch etwas kitschig klingt, oder?Der besondere Vorsatz für dieses Jahr: Dankbarer sein. 1

Und die, die mich kennen, wissen, ich bin überhaupt kein Fan von Kitsch und allem was dazu gehört. Motivierende Lebensweisheiten wie „Träume nicht dein Leben, sondern lebe deinen Traum“, Kaffeetassen, auf denen Fotos des eigenen Hundes zu sehen sind oder Liebesszenen, in der er, der alle haben kann, ihr, dem Mauerblümchen, meistens am Ende in aller Öffentlichkeit seine Liebe gesteht, sind nichts für mich.

 

Aber trotzdem wollte ich diese Postkarte auf jeden Fall in mehrfacher Ausführung bestellen. Nicht nur, weil ich das Wort always direkt mit Harry Potter und Snapes Erinnerungen im siebten Teil verbunden habe, sondern weil mir durch diesen einen Satz erst bewusst geworden ist, wie gut ich es doch eigentlich habe:

Mit meinen Freunden im Sommer stundenlang im Garten sitzen, Wein trinken und über Dinge lachen, über die wir schon an die 100 Mal gelacht haben. Mal eben spontan zu meinen Eltern Kaffee trinken, der selbst für meine Verhältnisse viel zu stark ist, und anschließend gemeinsam mit dem Hund raus. Morgens vor der Arbeit einen der 10 schwarzen Blazer schnappen, die Haare glätten und das Lieblings-Parfum auftragen. Den neuen James Bond im Kino sehen. Mal wieder sämtliche Deko-Läden abklappern, obwohl mir mehr als bewusst ist, dass ich überhaupt keinen freien Platz für eine neue Vase habe (und dann sieht die auch noch so aus wie alle anderen). Auf eine 90er-Party gehen und auf dem Rückweg einen Döner kaufen. An einem Samstagabend mal nichts tun – nicht, weil man es muss, sondern weil man es möchte.

 

Ich habe immer alles als selbstverständlich betrachtet und den Alltag nicht wertgeschätzt. Man hetzt von Tag zu Tag – das Einzige, worauf man sich richtig freut, ist der anstehende zweiwöchige Sommerurlaub in 5 Monaten und etwas später ist ja auch schon wieder Weihnachten und wenn Weihachten vorbei ist, ist ja schon bald wieder Sommerurlaub. Soll’s das wirklich gewesen sein? Ich hoffe nicht.

Auch wenn es wieder überaus kitschig klingt, sind es die kleinen Dinge im Leben, die ich nicht als besonders wahrgenommen habe. Das letzte Jahr hat mir allerdings gezeigt wie glücklich ich mich schätzen kann. Natürlich läuft nicht immer alles rund, aber im Großen und Ganzen kann ich mich ganz und gar nicht beschweren.

Aus diesem Grund hab ich doch noch einen passenden Vorsatz für mich gefunden. Auf diesen wäre ich leider nicht von selbst gekommen, aber eine simple Postkarte hat mir erfreulicherweise einen Wink gegeben: dankbarer sein.

1 Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

    Carolin Mandel
    25. Februar 2021 um 13:07 Uhr

    Was für ein schöner Beitrag! Da stimme ich vollkommen zu 🙂 Und die Postkarte hätte ich auch gerne erhalten 😉

Zur Werkzeugleiste springen